Akitu 6761 – Das Jahr der gemeinsamen Hoffnung

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Akitu 6761 – Das Jahr der gemeinsamen Hoffnung

Hunderttausende Angehörige des assyrischen Volkes (Chaldäer, Suryoye, Assyrer) zelebrieren gemeinsam das assyrische Neujahrsfest „Akitu“ sowohl in der Diaspora als auch in den Heimatgebieten. Ein Brauch, der seit Jahrtausenden gepflegt wird und tief verankert ist in den Herzen und Seelen der Assyrer. Er gehört zu den wichtigsten kulturellen Ereignissen, dessen Wurzeln sich bis in die altassyrisch-babylonische Zeit zurückverfolgen lassen.

Auch in diesem Jahr zeigen Assyrer weltweit ihre Verbundenheit mit ihrer Geschichte, Tradition und Kultur.  Das Recht auf die freie Entfaltung der Persönlichkeit; dazu gehört auch das Leben des eigenen kulturellen Kontextes und darf daher nicht verboten sein.

Wir feiern Akitu dieses Jahr mit besonders großer Freude, nachdem wir erfahren haben, dass in diesem Jahr alle Organisationen und Institutionen unseres Volkes in der irakischen Heimat, insbesondere der Ninive-Ebene ein gemeinsames Akitu-Festival veranstalten und mit geeinter Stimme sprechen.

Sie stellen gemeinsame Forderungen und treten gemeinsam für existentielle Rechte  der assyrischen Urbevölkerung im Irak ein. Dabei geht es vorrangig um das Recht auf das lang ersehnte Autonomiegebiet, in dem das assyrische Volk in Frieden und Freiheit mit allen anderen Völkern der Region leben kann.

Wir gedenken und feiern Akitu und wir wissen, dass unsere Brüder und Schwestern in der Heimat  immer noch unter den schwierigsten Bedingungen leben. Sie werden unterdrückt, vertrieben und ermordet. Ihre Kirchen werden zerbombt und zerstört und ihre Klöster enteignet. Schon seit Jahrhunderten ist die christliche Religion in den muslimisch regierten Ländern staatlichen und organisierten Repressalien ausgesetzt. Selbst im 21. Jahrhundert scheint kein Ende in Sichtweite.

Wir haben gelernt mit den nicht-demokratischen Gegebenheiten, die unser Volk immer noch begleiten, zu leben. Doch wir sind nicht mehr bereit sie duldend hinzunehmen.

Wir haben gelernt, dass die Spaltungen, die uns die Unterdrücker unseres Volkes zugefügt haben, überwunden werden müssen.

Und wir haben auch gelernt, dass  der Preis der Freiheit sehr hoch ist. Diesen Preis zahlt das assyrische Volk besonders seit dem Genozid von 1915 (Seyfo), welcher zu den dunkelsten Kapiteln der  Menschheitsgeschichte gehört. Deswegen ist für uns der Tag Ha-Nissan (1. April), an dem wir unser Neujahrsfest Akitu zelebrieren, ein Tag der Freude, aber auch der Trauer zugleich.

Wir gedenken der Märtyrer, die ihr Leben ließen in der Heimat – nicht nur weil sie Christen waren, sondern auch weil sie Assyrer waren!

All die Repressalien, denen die Assyrer ausgesetzt sind, all die Trauer, all der Schmerz kann sie aber nicht davon abhalten, ein lebensfrohes und liebendes Volk zu sein, das für seine Rechte eintritt und sie schützt, denn es weiß sehr gut, wie wichtig sie sind und wie hart es ist, sie zu erkämpfen.

Deswegen feiern wir die Liebe und die Geburt des neuen Lebens mit dem Frühlingsanfang und insbesondere unser über 6761 Jahre altes kulturelles Erbe und die anhaltende Entwicklung im sprachlichen, künstlerischen und politischen Bereich.

Voller Zuversicht und Hoffnung blicken wir in eine Zukunft, in der das assyrische Volk in Frieden und Freiheit in seiner Heimat  leben kann. Wir wünschen allen Engagierten viel Erfolg in ihren Bestrebungen um Demokratie, Menschenrechte und Autonomie.

Zentralverband der Assyrischen Vereinigungen in Deutschland und den europäischen Sektionen (ZAVD)

Der Vorstand

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