Gütersloh: Bericht über das Seminar von Prof. Dr. Robert Rollinger

Rollinger

Gütersloh: Bericht über das Seminar von Prof. Dr. Robert Rollinger

Am Sonntag, den 29. Mai 2011, gab Herr Prof. Dr. Rollinger seine „Premiere“ in Form eines Vortrages im Kreise der assyrischen Diaspora-Gemeinde in Gütersloh. Zu dieser Veranstaltung lud der Assyrische Jugendverband Mitteleuropa – Gütersloh (AJM-Gütersloh), gefördert durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages, seine Gäste ein. Der Vortrag fand in den Lokalitäten des Assyrischen Mesopotamien Verein e.V. in Gütersloh statt.
Robert Rollinger ist ein renommierter Professor, der zu den Meistern des Faches der Alten Historie und Altorientalistik zählt. Er ist zudem der Institutsleiter dieser Bereiche an der Universität Innsbruck.

150 Gäste fanden am Sonntagnachmittag den Weg in das Kulturzentrum der Assyrer, das dermaßen überfüllt war, so dass einige Zuhörer auf Tischen ihren Sitzplatz fanden oder sogar gänzlich den Vortrag im Stehen genossen.

Robert Rollinger begann mit der Thematik der Stadt Assur, die ein definitives historisches Alter von über 5.000 Jahre aufweist, welches archäologisch zurückdatiert werden kann. Bemerkenswert ist dabei  jenes, dass die Eigenbezeichnung der Bewohner Assurs auf den eigenen Stadt-Gott fußt, welches bisher als einzigartiges Phänomen auf der Welt anzusehen ist. Dieser Gott ist uns als „Single“ Gott bekannt, welches auf den Beginn der ersten monotheistisch-religiösen Richtung deutet. Somit befanden sich in Assur und später im Assyrischen Imperium die Wurzeln der Monotheismus-Religion noch weit vor der Ausbreitung des jüdischen und des später nachfolgenden christlichen Ein-Gott-Glaubens.

Danach zeigte er anhand von Karten wie sich von der Stadt Assur ein Stadtstadt entwickelte, infolge einer Expansion in alle vier Himmelsrichtung. Ab dem 19. Jahrhundert v. Chr. beginnt sich stetig das assyrische Reich zu entwickeln und zu vergrößern, bis hin schließlich zum Weltimperium in der Neuassyrischen Phase. Gerade in dem Zeitraum vom 9. bis zum 6. Jahrhundert wird der gesamte Orient von den Assyrern stark beeinflusst. Hier fällt der König Tiglatpilesar besonders ins Auge, der die Idee des ersten Nationalstaatsgedanken verwirklicht und dabei in seinen Annalen festhält, dass er alle Bewohner seines Reiches „assyrisiert“, also zu Assyrern gemacht hat. Hier gelingt es dem Regenten allen Bewohnern eine einheitliche Identität, Kultur, Religion und Sprache aufzuerlegen.

Ab dem 9. Jahrhundert ist auf den assyrischen Schriftwechsel zu verweisen, der anstatt der Verwendung der schwerfälligen Keilschrift mit über 600 Zeichen eine neue vereinfachte Buchstabenschrift mit nur 22 Zeichen, die fortan zur assyrischen Hochsprache modifiziert wird, aus dem Westen des Reiches adaptiert wird. Das Aramäische wurde zur „lingua franca“ des Assyrischen Herrschaftsgebiets. Bereits König Sanherib hat in der neuen Variante des Assyrischen gesprochen.

Im weiteren Verlauf hat Prof. Rollinger die Thematik des Terminus Syrien angesprochen. Die Antwort wurde anhand der bilingualen Tontafelfunde aus Cineköy, Südosttürkei festgehalten, welche auf Phönizisch sowie Luwisch verfasst wurden und die Abstammung des Wortes Syrien von Assyrien zeigen. Beide Varianten wurden jeweils synonym verwendet. Gleiches gilt für die Bezeichnung der Assyrer, die eine synonyme Verwendung von „asurai“ und „surai“ auf den Tontafeln hatten.

Herr Rollinger ging dann zunehmen auf die Problematik ein, in welcher er auf den Ruf der Assyrer zusprechen kommt. Das den Assyrern aufgesetzte Stigma, die als besonders „kriegerisch“ oder „grausam“ galten, wurde ihnen von der westlichen Forschung  gegeben, zusätzlich gepaart mit der Orientierung an dem Alten Testament, was jedoch vom Prof. Rollinger selbst relativiert wurde. Dieses ist aber ausschließlich aufgrund der assyrischen Kriegspropaganda bekannt geworden, im Hinblick auf eine Art von besonderer psychischer Kriegsführung, um Revolten im Imperium von vornherein im Keim zu ersticken. Dabei deutete er darauf hin, dass andere Völker nicht weniger grausam waren, jedoch es nicht dokumentierten, wie es die Assyrer taten.

Robert Rollinger kam am Ende auch auf die Symboliken der Assyrer zusprechen, die im christlichen Glauben eine neue Rolle gefunden haben, z.B. der geflügelte Stier „Lamassu“ ist in seiner christlichen Bedeutung zum Engel umfunktioniert worden.

Der Assyrische Jugendverband Mitteleuropa – Gütersloh bedankt sich sehr bei Herr Prof. Dr. Robert Rollinger für die historisch-wissenschaftliche Aufklärung und freut sich bei der nächsten Veranstaltung erneut ein volles Haus begrüßen zu dürfen.

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