Simon Kaplo Interview zum neuen Album „Shawa Btebakh“

Simon Kaplo

Simon Kaplo Interview zum neuen Album „Shawa Btebakh“

Der in Assyrien geborene Künster Simon Kaplo, der sich schon seit seiner Kindheit mit der Musik beschäftigt hat, zog 1979 nach Deutschland und begann in seiner neuen Heimat, sich aktiv am assyrischen Musikgeschehen zu beteiligen. Mit Liedern, wie „Bnayo d´Bobel“ oder „Babel Babel“ begeisterte er Assyrer auf der ganzen Welt. Grund genug, um ihn zu seinem jetzt neu erschienenem Album „Shawa Btebakh“ (Assyrischer Märtyrertag) zu interviewen. Simon, worum geht es in den Songs auf „Shawa Btebakh“?

Es geht um unsere Märtyrer, an all diejenigen, die ermordet wurden und immer noch werden, weil sie sich für die Freiheit der Assyrer einsetzten oder einfach nur weil sie zu unserem Volk gehörten.

Was ist die Botschaft dieses Albums?

Wir sind ein Volk, wie jedes andere auch. Wir verdienen es, in Frieden und Freiheit zu leben. Und wir dürfen unsere Vorfahren und ihre Aufopferung für uns nicht vergessen, denn ohne ihre Liebe und  Hingabe für uns würden wir heute ganz gewiss nicht mehr existieren.

Du bist einer unserer wenigen Sänger, der auch Rock- und Popelemente in seinen Songs nutzt. Warum nutzt du sie?

Ich sehe diese Elemente wichtig, weil diese die Jugend viel mehr erreichen kann als wenn man immer nur Folklore anbietet. Für den Fall, dass Folklore es nicht genug schafft, unsere Kultur an die Jugend zu übermitteln, kann an dessen Stelle Rock- und Popmusik nachhelfen. Außerdem mag ich persönlich diese Musikrichtung.

Was bedeutet für dich Musik?

Musik ist wie eine Schule für alle Themen in jeder Generation. Die meisten Menschen lesen nicht grade viel über Themen des Lebens. Aber die meisten Menschen hören Musik. Und durch Lebensweisheiten oder aktuelle Themen in den Liedtexten können Menschen zum Nachdenken angeregt werden. Gleichzeitig kann sie sowohl auf dem Künstler als auch auf dem Zuhörer als befreiend wirken, wenn man Texte über Themen schreibt, singt oder mitsingt, die einem auf dem Herzen liegen. Musik ist also auch so etwas, wie die Sprache der Seele.

Durch deine Musik erkennt man, dass du unsere Nation sehr lieb hast. Was fühlst du als Künstler, wenn du deine Texte singst?

Ich fühle wohl anders als ein Politiker. Ein Politiker fühlt wohl nicht immer etwas positives, weil er nicht immer ehrlich ist, sei es wegen dem Druck, der auf ihm lastet oder sei es wegen persönlichen Interessen. Auf mich als Künstler lastet kein gesellschaftlicher Druck. Ich bin beim Singen voller Gefühle. Ich singe offen über alles, was mir auf dem Herzen liegt. Deswegen fühle ich vor allem Ehrlichkeit.

Was ist also die Botschaft deiner Musik im Allgemeinen?

Unsere Nation muss sich über ihre schlechte Lage bewusst werden. Die Assyrer dürfen ihre Wurzeln und ihre Kultur nicht vergessen. Das Unrecht, das ihnen wiederfährt sollen sie nicht hinnehmen. Besonders die Liebe zu unserer Nation soll noch viel größer werden. Schließlich kann die Liebe kann Wunder bewirken, durch die wir endlich in unserem eigenen Land Assyrien in Frieden und Freiheit leben können.

Soweit ich informiert bin, bist du der erste Künstler in Mitteleuropa, der in beiden Hauptdialekten unserer Sprache Liedtexte singt. Warum singst du in West- und Ostassyrisch?

Diese beiden Hauptdialekte werden manchmal fälschlicherweise als zwei verschiedene Sprachen bezeichnet. Um die wissenschaftlichen Argumente zu unterstreichen, die aufzeigen, dass dies Dialekte derselben Sprache sind, singe ich in beiden Dialekten. So können die Gemeinsamkeiten ganz deutlich hervorgehoben werden.

Danke für das Interview, Simon. Zum Schluss überlasse ich nun dir das Wort…

Die Assyrer, speziell die Jugendlichen, sollen immer wachsam bleiben und das Gute für unsere Mitmenschen erkennen und unterstützen. Die Musik ist eines der wichtigsten Dinge, das unser Volk am Leben hält. Eines Tages muss jeder entscheiden, welchen Platz er oder sie in unserer Gesellschaft einnehmen möchte und dafür bereit sein. Und eines Tages muss jemand auch meinen Platz einnehmen.

Bestellen kann man das Album „Shawa Btebakh“ für 10€ unter simon@simon-kaplo.de.

Leave a Reply