S.O.S. – Notruf aus der Diaspora – Bundesweite Seyfo-Gedenkaktionen

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S.O.S. – Notruf aus der Diaspora – Bundesweite Seyfo-Gedenkaktionen

Tiefes Mitgefühl und Trauer breiten sich aus. Selbst nach 99 Jahren finden die im damaligen Osmanischen Reich, der heutigen Türkei, getöteten Christen von 1915 keinen ruhigen Frieden. Bis heute bemüht sich das assyrische Volk nämlich noch um die Anerkennung dieses Völkermords (Seyfo), doch nichts ändert sich an der Ablehnungspolitik der Türkei.
Durch junge und engagierte Mitglieder des Assyrischen Jugendverband Mitteleuropa (AJM) wird das Thema aufgegriffen und Politik sowie Medien werden durch bundesweite Veranstaltungen einbezogen, um das Volk vom Totschweigen der Regierung zu lösen.

„An diesen Tagen soll jenes Verbrechen gegen die Menschheit in die Erinnerung der Bevölkerung gerufen werden“, erklärt uns Petrus Atalay, Leiter des Projekts „Save Our Souls – 1915.de“ und Vorstandsmitglied des Zentralverbands der Assyrer (ZAVD). Anlässlich des 99. Jahrestags organisierte der AJM mit dem ZAVD und weiteren lokalen Kooperationspartnern mehrere Veranstaltungen in ganz Deutschland, um an den Völkermord gebührend zu erinnern. Ziel dieser Aktionen ist es, die Bevölkerung sowie die Politik für jenen Völkermord zu sensibilisieren und die bundesweite Anerkennung zu erlangen.

WIESBADEN-24.04. Über 400 Menschen versammelten sich am internationalen Gedenktag vor dem hessischen Landtag. Zu Ehren der Märtyrer wurde das Vater Unser sowohl auf Aramäisch als auch auf Deutsch zu Beginn eingeleitet und mit einer Schweigeminute umrahmt. Sanharib Simsek, Vorsitzender des AJM, forderte in seiner Rede die Anerkennung deses Völkermordes. Namenhafte Politiker wie die Landtagsabgeordneten Tobias Utter und Horst Klee (CDU), Barbara Cardenas (Die Linke) sowie Ernst-Ewald Roth (SPD) hielten hoffnungsspendenden Ansprachen um ihr Mitgefühl zu vermitteln. Deutschland trage aufgrund der damaligen politischen Beziehungen eine Mitverantwortung zur Aufarbeitung dieses Themas, bekundete Cardenas. Als symbolischer Akt stiegen 99 schwarze Luftballons in Richtung Himmel, wobei das Lied „99 Luftballons“ der beliebten Sängerin Nena dem Thema entsprechend umgeschrieben wurde und die Emotionen der Zuschauer ergriff.

GüTERSLOH-24.04. Fast 2000 Menschen forderten bei einem Schweigemarsch die Errichtung eines Genozid-Mahnmals in Gütersloh. Redner auf der Kundgebung waren Vertreter aus Kirche und Gesellschaft. Anschließend gab es einen ökumenischen Gottesdienst in der Martin-Luther-Kirche am Berliner Platz, bei dem Pfarrer Walczak-Detert vom Christenrat Gütersloh betonte, wie wichtig es sei aus den Völkermorden im 20. Jahrhundert zu lernen und sie niemals zu leugnen.

PADERBORN-24.04. Mehr als 250 Menschen versammelten sich am Rathausplatz, um an den ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts zu erinnern. Als Zeichen für 99 dunkle Jahre des Schweigens und Verleugnens, stiegen 99 schwarze Luftballons empor. Der AJM, der Bildungsverein Kano Suryoyo und die syrisch-orthodoxen Gemeinden des Kreises gedenken zusammen mit den Teilnehmern des Protestes an die gefallenen Opfer. „Eine Versöhnung mit der Türkei ist unser Ziel“, so Stadtratskandidatin Sonja Ergin (CDU). Der Landtagsabgeordnete der CDU Paderborn, Daniel Sieveke, betont, dass heutzutage dieselbe Situation auch in Syrien und in Afrika aktuell ist. Er betonte insbesondere die Verantwortung Deutschlands, das in dieser Zeit Bündnispartner des Osmanischen Reiches war, den Genozid auf die politische Agenda zu bringen. Als dritter Redner bezeugte Nurettin Akay, der Vorsitzende der europäischen Jeziden-Verbände, die Sympathie und Solidarität beider Völker.

FRANKFURT/MAIN-25.04. Stumme Stimmen, verbundene Augen. Ein Riesenzeppelin mit der Aufschrift des Mottos der Aktion „Save Our Souls – 1915.de“ schwebte inmitten der Einkaufsstraße MyZeil. Darunter knieten ca. 30 Statisten, die mit verbunden Augen und Mündern die damaligen Opfer darstellten. Friedliche Demonstranten hielten ihre Schilder hoch: „Ihr Staaten des Westens, wir klagen euch an: Unterlassene Hilfeleistung!“, während in der Zwischenzeit Informationsmaterial über den Genozid verteilt wurde.

AUGSBURG-26.04. Gut 400 friedliche Demonstranten am Augsburger Rathaus. Die Geschichte dieser ethnischen und religiösen Minderheit ist nur Wenigen bekannt. Dabei haben mittlerweile rund 3.000 Assyrer in Augsburg eine Heimat gefunden. Sie alle verbindet das gleiche Schicksal: die Geschichten über den systematisch geplant und durchgeführten Völkermord der Jungtürken. Landtagsabgeordnete wie Dr. Linus Förster (SPD), der Stadtrat und Bürgermeister a.D., Theo Gandenheimer (CSU), Pfarrer Dirk Dempewolf von der evangelischen Kirche sowie die Kreisvorsitzende der FBU Augsburg, Fr. Mangold-Nietzschmann, unterstützten diese Aktion. „Demokratie macht es möglich“, bekundete Gandenheimer. Zum Abschluss wurden 99 schwarze Luftballons, die mit der Aufschrift „Save Our Souls – 1915.de“ versehen waren, in Himmel entsandt. Sie symbolisierten die 99 Jahre der Vertuschung und Leugnung.

VERL-26.04. Informieren und diskutieren konnte man im Vereinshaus Suryoye Verl bei interessanten Vorträgen mit anschließendem gemeinsamem Gebet. In tiefer Trauer und in Gedenken an die Vorfahren zündete die Gemeinde Kerzen an. Es kann eine Zukunft frei von Völkermord erst entstehen, indem die Verantwortlichen ihre Taten anerkennen. Das ZAVD Vorstandsmitglied und einer der Referenten des Abends, John Beth Afrem, unterstreicht:  „Die Freiheit jedes einzelnen Menschen darf nicht aufgrund seiner Religion oder Herkunft verletzt werden.“

Die Kooperationspartner des AJM und ZAVD für diese Veranstaltungen waren der Assyrische-Mesopotamien-Verein-Wiesbaden, der Assyrisch-Aramäischer-Jugendverein Wiesbaden und Assyrische-Mesopotamien-Verein-Augsburg sowie der Sport- & Kulturverein Suryoye Verl. In Gütersloh waren die Veranstalter die Arbeitsgruppe Seyfo d´Suryoye und die syrisch-orthodoxen Kirchengemeinden der Stadt. Alle Veranstalter freuen sich, dass so viele hunderte Menschen an diesen Aktionen teilnahmen. Dies zeigt die Wichtigkeit dieses Themas für die Bevölkerung in Deutschland.

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