News aus dem Irak – Updates zur Situation der Assyrer

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News aus dem Irak – Updates zur Situation der Assyrer

Hier werden News bzgl. der Situation der Assyrer im Irak gepostet und geupdated. Die Quellen sind direkt von unseren Kontakten im Irak.

30.06.2014

Wir haben gerade erfahren, dass 7 assyrische Studenten in Alqosh nach einem Ausflug zum Berg neben der Stadt von Beamten des Asayish, dem kurdischen Geheimdienst, festgenommen wurden. Die Studenten erklärten, dass sie aus Alqosh sind und nur aus Freizeitzwecken auf dem Berg gewesen sind, nichts anderes. Doch die Beamten zerrten sie auf ihrem Pickup und fuhren sie zu ihrer Wache, wo sie über drei Stunden festgehalten wurden. In dieser Zeit wurden ihnen ihre Personalausweise, ihre Handys und ihre Kamera weggenommen. Außerdem wurden sie brutal zusammengeschlagen und zum Teil schwer verletzt.
Die Studenten sind alle Mitglieder assyrischer Jugendorganisationen, die sich für die Rechte und die kulturelle Aufrechterhaltung der Assyrer im Irak einsetzen.
Dies ist kein Einzelfall. Leider treten solche Übergriffe häufig auf und sind bekannt dafür, dass sie assyrische Bevölkerungsteile einschüchtern und, dass sie sich dadurch dem Willen kurdischer Behörden beugen. Gerade jetzt, wo die Kurden auf eine Annektierung der Ninive Ebene (einschließlich der erdölreichen Stadt Kirkuk) durch eine jetzt schon hinterfragungswürdigen Durchführung einer Volksabstimmung drängen, ist dieser Fall keineswegs eine überraschende Erscheinung.
Lesen Sie hierzu auch die erste Nachricht des heutigen Tages.

30.06.2014

Laut Imad Youkhanna, Mitglied der Parlamentspartei Assyrian Democratic Movement (ADM oder auch Zowaa), drängen die kurdischen Peshmerga-Soldaten die Shabak, Yeziden, Mandäern und Assyrern dazu, für einen demographischen Wandel ihre Häuser aufzugeben und woanders hinzuziehen. Die kurdische Regierung befehle ihren Peshmerga-Soldaten, die in Mosul und Umgebung stationiert sind, die nicht-kurdischen Minderheiten aus diesem Gebiet zu verdrängen laut Youkhanna.
Wie zuletzt berichtet, stehen nun Wahlen an, bei denen entschieden werden soll, ob das Gebiet der Ninive Ebene einschließlich die erdölreiche Stadt Kirkuk zur kurdischen Autonomieregierung gehören soll oder nicht. Er, wie auch Hanin AlQadu, Parlamentsvertreter der Shabak, erläutern, dass die Peshmerga-Soldaten die Bürger dieser Region dazu zwingen, die Wahlzettel zugunsten der kurdischen Regierung auszufüllen, damit diese ihr Herschaftsgebiet über diese Region erweitern könne. Youkhanna betont, dass ADM an die Bürger appelliere, diese Art von Wahlmanipulation und Menschenrechtsverletzung nicht hinzunehmen.

28.06.2014

Soeben erreichte uns die Nachricht aus dem Irak, dass die Kämpfe bei Baghdede aufgehört haben und die ersten Familien wollen ab morgen schon wieder in ihre Häuser in Baghdede zurück. Es heißt, dass ein Waffenstillstand zwischen der kurdischen Peshmerga und den Sunniten vereinbart worden ist. Anlass war ein Treffen mit allen Beteiligten. Bei diesem wurde entschieden, dass eine Volksabstimmung lt. Artikel 140 der irakischen Verfassung durchgeführt werden soll – so die Forderung Barazanys. Das Volk in Ninive und Kirkuk soll über eine Zugehörigkeit zur kurdischen Autonomieregion entscheiden. In Mosul hingegen wird weiterhin massiv bombardiert. Irakische Luftangriffe werden gegen Aufständische eingesetzt. Auch fliegen bewaffnete und unbewaffnete US-Drohnen über die Stadt.

27.06.2014

Alqosh (ca. 10.000 Einwohner, alle Assyrer) hat weitere assyrische Flüchtlinge aufgenommen. Sie sind hauptsächlich aus Baghdede (Qaraqosh). Damit sind es jetzt 350 Flüchlingsfamilien aus Baghdede allein in Alqosh. Unter den dortigen Flüchtlingen sind weitere aus Mosul und Karamlesh angekommen. Unter den Flüchtlingen befinden sich nun auch einige muslimische Familien. Viele Einwohner von Alqosh haben großzügig Flüchtlinge in ihren Häusern untergebracht. Ihre Versorgung läuft teilweise mit dem Hab und Gut der Einwohner, das sie über haben, und zum Teil mit Hilfsorganisationen, wie die Assyrian Aid Society oder dem UNHCR.

Sehr viele Assyrer vor Ort sind besorgt über die möglichen Motive der kurdischen Regierung, die mit ihrer Peshmerga gegen die Extremisten kämpft. Sie berichten, dass die Peshmerga vor den Unruhen in Baghdede auf nahe gelegenen Ländereien arabisch-sunnitischer Dörfer Schützengräben gebuddelt haben. Dies sollen sie überall gemacht haben, wo die arabischen Polizisten und Soldaten weggelaufen sind. Die arabischen Dorfeinwohner waren darüber sehr verärgert und so brach nach streitvollen Gesprächen zwischen den beiden Parteien ein bewafneter Kampf aus. Die Peshmerga hat Baghdede umringt und auch Stellungen innerhalb der Stadt bezogen. Die Einwohner der Stadt fragen sich, warum die Peshmerga somit das Feuer ihrer Gegner auch auf die Stadt und ihre Zivilbevölkerung zieht, wenn sie vor hat, sie zu schützen.
Gemäß Adel Morad, Mitglied des Zentralkommittee der kurdischen Partei PUK, greifen die ISIS Anhänger nur die Peshmerga der PUK an, nicht aber die der Partei KDP, die momentan die größte politische Kraft in der kurdisch-autonomen Zone ist.

25.06.2014

In Baghdede/Qaraqosh (ca. 45.000 Einwohner – davon 97% Assyrer) sind fast alle geflohen wegen den dortigen Kämpfen zwischen sunnitischen Extremisten aus den benachbarten Dörfern, die der ISIS nahe stehen, und der kurdischen Peshmerga. Weniger als 200 Menschen sind dort übrig geblieben. Sie fliehen in die benachbarten assyrischen Städte und Dörfer, wo sie zum Teil Hilfskomitees gebildet haben für all die Flüchtlinge. Allein nach Alqosh sind über 220 Familien aus Baghdede und 180 Familien aus Mosul geflohen. Mosul ist jetzt so gut wie christenleer.

Ein Flüchtlingshelfer in Ankawa (Stadtteil von Arbil) schreibt: „Besonders viele hunderte von Familien sind nach Ankawa geflohen. Hier versuchen Assyrian Aid Society, Zowaa und die Kirchen alles um den Andrang an Flüchtlingen zu bewältigen, aber es reicht nicht aus. Die flüchtigen Familien haben keinen Ort zum Schlafen und ihnen fehlt es an Essen und Trinken. Dies ist eine große humanitäre Kriese jenseits dessen, was wir bewältigen können und braucht internationale humanitäre Unterstützung. Anderen in Not helfen ist das, was uns menschlich macht. ALSO BITTE HELFT UNS, BITTE HELFT UNS IM NAMEN DER MENSCHLICHKEIT! Wenn du im Irak bist und Wasser, Nahrung, Bettwäsche und/oder Zelte spenden willst, dann kontaktiere bitte eine der folgenden Nummern: 07504555039 oder 07721073871.“

  1. ShelShel07-01-2014

    shlomo!

    Gibt es eine Spendenaktion?
    Gibt es ein Konto für Hilfe für Assyrer in irakisch Assyrien? Wenn ja bitte die Daten hier schreiben.

    Danke

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