Save Our Souls – Kleiderspendensammelaktion – Verteilung im Irak

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Save Our Souls – Kleiderspendensammelaktion – Verteilung im Irak

Insgesamt kamen bei der Save Our Souls – Kleiderspendensammelaktion 140 Tonnen zusammen, sodass man guter Dinge prognostizieren kann, dass bis Mitte Januar viele bedürftige Flüchtlinge ausgestattet werden können – unter der Voraussetzung, dass weiter gespendet wird und alle Hilfsorganisationen nach Bedürftigkeit verteilen. Nach aktuellem Spendenstand können durch die Save Our Souls – Kleiderspendensammelaktion 40.000 Flüchtlinge versorgt werden.

Am 16. November 2014 reiste eine vierköpfige Delegation aus Deutschland in den Nordirak, um die ersten LKW-Ladungen mit Winterkleidung zu verteilen und sich ein Bild von der gegenwärtigen Lage vor Ort zu machen. Unter dem Dach der Initiative Save Our Souls (SOS) wurden seit Oktober 2014 in ganz Deutschland und Österreich Winterkleidung über Spenden von Privatpersonen und Gemeinden gesammelt. Mehrere Lastwagen transportieren derzeit die Ladungen nacheinander in den Irak .

Gemeinsam machten sich Sonja Ergin (ZAVD Projektmitarbeiterin), Elisabeth Yauno (SOS Funktionärin), Petrus Atalay (ZAVD Vorstandsmitglied) sowie Sanharib Simsek (AJM Vorsitzender) auf die Reise, um die Flüchtlinge in den unterschiedlichen Unterbringungen zu besuchen sowie vor Ort mit Vertretern von Kirchen, Verwaltung, Hilfsorganisationen und Militär zu sprechen. Dies war notwendig, um sich ein Gesamtbild von der Situation zu machen und im Anschluss daran konstruktive und konkrete Hilfe zu leisten. Die Gesamtbetreuung der Delegation übernahm aus Sicherheitsgründen die örtliche ZOOWA-Partei (Assyrian Democratic Movement) in Kooperation mit der Hilfsorganisation Assyrian Aid Society.
Aufgrund der dramatischen Lage aller Flüchtlinge sollten die Spenden an besonders Bedürftige der verschiedenen Flüchtlingsgruppen verteilt werden. Hierzu gehören Christen aller Konfessionen (syrisch-orthodox, katholisch, chaldäisch, protestantisch) sowie Jesiden, Turkmenen und Shabak. Dies fiel angesichts der großen Mengen an Kleidung, die aus Deutschland und Österreich gesammelt wurden, sehr leicht. Insgesamt kamen bei der Save Our Souls – Kleiderspendensammelaktion 140 Tonnen zusammen, sodass man guter Dinge prognostizieren kann, dass bis Mitte Januar viele bedürftige Flüchtlinge ausgestattet werden können – unter der Voraussetzung, dass weiter gespendet wird und alle Hilfsorganisationen nach Bedürftigkeit verteilen. Nach aktuellem Spendenstand können durch die Save Our Souls – Kleiderspendensammelaktion 40.000 Flüchtlinge versorgt werden.

Seine Eminenz Mor Nicodemus Daoud Sharaf, den wir am ersten Tag besuchten, stellte die Verbindung zur ersten Verteilungsstelle, der Kanīsa Umm el Nour (Mother of Light Church) in Ankawa/Arbil her. Die Kleidung wurde außerdem in den Orten Bakhitmee, Dehe/Sapna, Kani Balav/Sapna, Hazarjot, Mala Berwan, Azakh, Armash, Tillan, Dolman, Mangish, Bersive/Zakho, Shranish, Navkindala, Merga /Zakho, Feshkhabour, Bakhloja,Hizawa, Zakho, Duhok, Shiyoz/Semel, Semel, Mesereki/Semel, Havrisk, Shkavdali, Avzarook/Semel verteilt. Die konkrete Zahl der Flüchtlinge in den einzelnen Orten sowie das jeweilige Datum der Verteilung sind akribisch durch die Assyrian Aid Society dokumentiert und wurden der Delegation vorgelegt. Durch getrennte Buchhaltung und abgesonderte Unterteilung der Spenden für die Transportkosten konnte die Delegation nebst der Winterkleidung zusätzlich 20.000 Euro an Spenden an die Assyrian Aid Society übergeben. Dieser Betrag wird verwendet für die unterschiedlichen Grundbedürfnisse der Flüchtlinge wie Nahrungsmittel, Decken, Matratzen, Kissen, Teppichunterlagen, Ölheizungen, Medizin und Hygienesets. Kosten und Menge der verteilten Güter werden ebenfalls detailliert aufgelistet.

Die Delegation besuchte verschiedene Institutionen und Organisationen sowie Flüchtlingsbehausungen wie alte Schulgebäude, Containerprovisorien, Zelte, mit Flüchtlingen überfüllte Städte und Dörfer und Behausungen rund um die überlaufenen Zufluchtsorte in den Regionen um Arbil und Dohuk (Nohadra).

Humanitärer Aspekt:

Die Koordination der provisorisch eingerichteten Flüchtlingsunterkünfte an den unterschiedlichen Orten ist sehr schwierig, weil auch die abgelegenen Bergdörfer schon vor dem Flüchtlingsansturm infrastrukturell schwach entwickelt waren und nun auf das Doppelte angewachsen sind. Teilweise existiert in den Flüchtlingscamps überhaupt keine Verwaltung, die sich um die Belange der Flüchtlinge kümmert, für eine kompetente Flüchtlingsbetreuung sorgt oder ihre Anfragen und Bedürfnisse koordiniert. In einer Flüchtlingsbehausung konnten wir beobachten, wie ein Raum, den man als Unterkunft hätte nutzen können, von ortsansässigen als Kaufmannsladen mit Wucherpreisen vermietet wurde.
In Dohuk sowie in Ankawa ist die Population durch den Flüchtlingsansturm um das Doppelte angewachsen und muss nun auf unbestimmte Zeit dauerhaft mitversorgt werden. Hier eine komplett neue Infrastruktur auf unbestimmte Zeit zu erschaffen ist sehr schwierig, zumal die Flüchtlinge selbst zum größten Teil weder körperlich noch psychisch in der Lage sind, sich am Wirtschaftsgeschehen zu beteiligen und sich selbst mit zu versorgen.
Überall dort, wo eine große Ansammlung an Flüchtlingen besteht, werden die Flüchtlinge spontan aber klecksweise und unkoordiniert versorgt. Für die ortsansässige Hilfsorganisation ist die Dokumentation dieser Aktivitäten insofern sehr schwierig, weil da Helfer, die z.B. aus dem Ausland kommen, sich nicht immer ankündigen und aufgrund der großen Not dies auch nicht verlangt wird.
Auch die einheimische Bevölkerung ist mit der Flüchtlingssituation komplett überfordert, denn auch die Versorgung der eigenen Familien muss garantiert werden. Der Nordirak hat auf Dauer nicht die nötigen finanziellen und personellen Kapazitäten zur Versorgung der Flüchtlinge.

Insgesamt wurden 30 Waisenkinder erfasst, deren Eltern nachweislich umgekommen sind. Sie werden von Nonnen versorgt und wurden an einen geheimen Ort gebracht. Dort in Sicherheit möchten wir in naher Zukunft versuchen, Angehörige dieser Kinder per Bildersuche ausfindig zu machen. Weiterhin wurden aus syrisch-orthodoxen Gemeinden um Mosul schätzungsweise 30 Frauen für den Sklavenmarkt entführt. Die genaue Zahl kann nicht ermittelt werden, da diese Umstände oftmals aus Scham verschwiegen werden.
Weiterhin ist zu erwarten, dass wenn vom Ausland nicht weiter in dieser Größenordnung Kleider sowie Mittel zur Erwärmung der dürftigen Flüchtlingsbehausungen bereitgestellt wird, besonders schwache Flüchtlinge vor allem in den Wintermonaten in Gefahr sind zu erfrieren.

Medizinischer und psychologischer Aspekt

Die sanitäre Versorgung der Flüchtlinge ist katastrophal: In einem konkreten Fall müssen sich 300 Flüchtlinge ein Bad und ein WC teilen. Es fehlt komplett an medizinischer Versorgung. Die medizinische Versorgung einzelner Personen und die Behandlung einzelner Schicksale sind abhängig von Spontanaktionen freiwilliger Helfer aus dem In- und Ausland.
Es werden dringend mobile Medizinstationen sowie hierfür nötige Gelder für die notwendigen Medikamente benötigt. Für eine solche mobile Medizinstation belaufen sich die Kosten auf monatlich 11.000 US – Dollar, da zum Beispiel kontinuierlich Instrumentarien zur Sterilisation der medizinischen Arbeitsmittel erforderlich sind.
Die personelle Aufstellung ist hier das geringere Problem, da sich viele Ärzte aus dem Westen bereiterklären, dort für mehrere Wochen abwechselnd humanitäre Hilfe zu leisten.

Psychologische Betreuung besteht nur über die Seelsorge durch die Geistlichen. Bei großen Ansammlungen an Flüchtlingen sind 1-2 Seelsorger oder Geistliche aktiv.

Demographischer Aspekt:

Aufgrund von häufiger Flucht der irakischen Bevölkerung vor Krieg und Gewalt ist die Ermittlung einer demographischen Veränderung unter den aktuellen Umständen schier unmöglich. In vielen Fällen sind die Flüchtlinge getrennt von ihren engsten Familienangehörigen untergebracht.
Die Zivilbevölkerung flieht mehrheitlich in den militärisch geschützten Teil des Nordirak. Dies geschieht überwiegend zu Fuß. Nach Zufallsprinzip erreichen die Flüchtlinge erschöpft irgendwelche Bergdörfer, wo man provisorische Lösungen für ihre Unterbringung sowie Ausstattung für eine halbwegs mögliche Existenz finden muss. Sie werden mit Namen, Geburtsdatum und Herkunftsort vermerkt, oftmals von den Bürgermeistern in Zusammenarbeit mit den Seelsorgern, die meist selbst mit den Flüchtlingen geflohen sind und deshalb einen Überblick über ihre Gemeinden haben. Dies ist aber der Idealfall. Mittlerweile liegt der Delegation die konkrete Zahl der zugeströmten Flüchtlinge in jedem einzelnen Ort vor.
Für die Kleiderverteilungsaktion wurden ebenfalls in den verschiedenen Orten befindliche Flüchtlinge notiert, sodass hier auch nochmal bei der Assyrian Aid Society die Namensliste ergänzt werden kann.

Im Zuge unserer Arbeit konnten wir nochmals weitere Verbindungen von einzelnen Geistlichen mit der Assyrian Aid Society herstellen. Wir hoffen dadurch bei der Registrierungsarbeit, der Ermittlung der Bedürftigkeit, Familienzusammenführungen sowie bei der gleichmäßigen Verteilung der Spenden förderlich beizutragen. Insgesamt kann dies vor Ort auch nur parallel zur eigentlichen humanitären Versorgung nebenher passieren, weil jede einzelne Institution (Politik, Hilfsorganisation, Kirchen, Privatpersonen) schlichtweg überlastet und kontinuierlich mit der Versorgung der Flüchtlinge beschäftigt ist. Daher war die Arbeit untereinander bisher schwierig, aber wie sich beobachten lässt, wird diese kontinuierlich verbessert um langfristig ein Kommunikations- und Versorgungsnetz zu bilden.

Schlussfolgernd soll noch erwähnt werden, dass die UN 2014 die finanzielle Unterstützung des Welternährungsprogramms (WFP) für die Region Syrien, Irak und Libanon halbiert hat. Einzelne Staaten übernehmen nicht die Verantwortung für die Vereinheitlichung der Versorgung oder der Versorgung selbst. Immer wieder wird uns deutlich gemacht, dass die irakische Regierung ebenso wenig in der Lage ist, dieser Veränderung der Umstände Herr zu werden. Eine effiziente Versorgung kann nur ermöglicht werden, wenn sich z.B. europäische Gemeinden und Städte bereiterklären, für eine bestimmte Anzahl an Flüchtlingen oder für einzelne Orte (z.B. Bergdörfer) langjährige Patenschaften zu übernehmen.

ZAVD = Zentralverband der Assyrischen Vereinigungen in Deutschland und Europäischer Sektion e.v.

AJM = Assyrischer Jugendverband Mitteleuropa e.V.

SOS = Save Our Souls

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