Migrantenarbeitslosigkeit In Deutschland: Besseren Zugang zum Arbeitsmarkt auch für Flüchtlinge und Anerkennung ausländischer Abschlüsse weiter fördern

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Migrantenarbeitslosigkeit In Deutschland: Besseren Zugang zum Arbeitsmarkt auch für Flüchtlinge und Anerkennung ausländischer Abschlüsse weiter fördern

Anlässlich des 7. Integrationsgipfels in Berlin legte der ZAVD unter dem Dach der Bundesarbeitsgemeinschaft der Immigrantenverbände der BRD (BAGIV) mit anderen Migrantenorganisationen in Deutschland ein Impulspapier zur Verbesserung der Ausbildungssituation von Menschen mit Migrationshintergrund vor. (http://zavd.de/wp-content/uploads/2014/12/Positionspapier-zum-Integrationsgipfel-01.12.2014.pdf) Das Impulspapier beinhaltet folgende Kernforderungen: Über Möglichkeiten der dualen Ausbildung besser informieren, durch Einbindung von Migrantenorganisationen in bildungsunterstützende und berufsorientierende Maßnahmen. Übergang Schule – …

Anlässlich des 7. Integrationsgipfels in Berlin legte der ZAVD unter dem Dach der Bundesarbeitsgemeinschaft der Immigrantenverbände der BRD (BAGIV) mit anderen Migrantenorganisationen in Deutschland ein Impulspapier zur Verbesserung der Ausbildungssituation von Menschen mit Migrationshintergrund vor. (http://zavd.de/wp-content/uploads/2014/12/Positionspapier-zum-Integrationsgipfel-01.12.2014.pdf) Das Impulspapier beinhaltet folgende Kernforderungen:

  • Über Möglichkeiten der dualen Ausbildung besser informieren, durch Einbindung von Migrantenorganisationen in bildungsunterstützende und berufsorientierende Maßnahmen.
  • Übergang Schule – Beruf verbessern, über Begleitung durch professionelle Institutionen und Mentoren mit Vorbildfunktion, die Jugendliche durch die gesamte Orientierungs- und Qualifizierungsphase führen und Verbindungen zwischen der Schule und den Unternehmen knüpfen. Diese regionalen „Übergangshelfer“ könnten verstärkt in den Migrantenorganisationen verankert werden, da sie oft über bessere Zugänge zu ansonsten schwierig zu erreichenden Zielgruppen (z.B. Neuzuwanderer, Flüchtlinge) verfügen.
  • Assistierte Ausbildung als Unterstützung für Jugendliche und Betriebe
  • Diskriminierungen in Ausbildung und Beruf entgegentreten – Chancengleichheit fördern
  • Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) und Öffentlichen Dienst interkulturell öffnen
  • Mehrsprachigkeit und Interkulturalität anerkennen und nutzen
  • Verantwortung der Kammern, Arbeitsagenturen, Verbände und Gewerkschaften: mehr übergreifende Maßnahmen für eine wirksame Verbesserung der Ausbildungssituation von Jugendlichen mit Migrationshintergrund
  • Migrantenorganisationen als Partner von Bund, Ländern und Kommunen

In ihrer Rede zum Integrationsgipfel hat sich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel für einen besseren Zugang junger Migranten zum Ausbildungsmarkt stark gemacht. Noch immer scheiterten viele Bewerber allein an ihrem ausländischen Namen, sagte Merkel. Merkel hatte den Integrationsgipfel 2006 ins Leben gerufen, um die gesellschaftliche Teilhabe der in Deutschland lebenden Zuwanderer zu verbessern. Im Mittelpunkt des diesjährigen Integrationsgipfels stand das Thema „Berufsausbildung“. Merkel sprach auch über den Fachkräftemangel. Ein Instrument, um den Fachkräftemangel in Deutschland zu begegnen, sei das MobiPro-EU-Programm, so die Bundeskanzlerin. Mit einem Mittelvolumen von über 560 Mio. Euro werden über das Programm seit Januar 2013 junge EU-Bürger für die Aufnahme einer betrieblichen Berufsausbildung in Deutschland angeworben.

Das in Deutschland vorhandene Potenzial von Flüchtlingen bleibt hier allerdings unerwähnt. Viele Flüchtlinge, die bereits in Deutschland leben, haben eine Ausbildung und Berufserfahrung. Auch andere, die keine Ausbildung haben, sind häufig sehr motiviert, sich beruflich weiterzubilden. Allerdings verhindern oft rechtliche und strukturelle Zugangsbarrieren den Weg in die Betriebe.

„Ergänzend zum Impulspapier fordern wir deshalb eine verbesserte Teilhabe von Bleibeberechtigten und Flüchtlingen am Erwerbsleben. Flüchtlinge haben für den Wirtschaftsstandort Deutschland großes noch zu erschließendes Potenzial. Dies erfordert ein Umdenken beim Umgang mit Flüchtlingen bei der Erarbeitung von Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel“, so Grigo Simsek, 2. Vorsitzender des ZAVD. Der Zugang zum Arbeitsmarkt dürfe Flüchtlingen nicht verwehrt werden, ihre Qualifikationen müssten stärker Berücksichtigung finden. Darüber hinaus müsse mehr für die Anerkennung ausländischer Berufs- und Hochschulabschlüsse getan werden. Das dafür eingeführte Anerkennungsgesetz sei ein guter und wichtiger Schritt in diese Richtung.

Schwächen des Gesetzes zur Anerkennung ausländischer Abschlüsse

Aber die der Selektion der Anerkannten zugrunde liegenden Konstellationen und Mechanismen bleiben hingegen uneindeutig, undokumentiert und dadurch auch unzählbar. Es fallen beispielsweise diejenigen heraus, die für die Bewertung ihrer Qualifikation keinen Verfahrenszugang bekommen, z.B. weil sich nach deutschem Berufsrecht kein „Referenzberuf“ finden lässt. Oder es bleibt undokumentiert, in wie vielen Fällen die Anerkennung einer Qualifikation als „gleichwertig“ an einem bestimmten Nachweis deutscher Sprachkenntnisse scheitert.

Durch die mit dem Anerkennungsverfahren verbundenen hohen Kosten, werden den Betroffenen weitere Hürden auferlegt. Sie haben einen Anspruch auf eine Prüfung ihrer Qualifikation, müssen für die Kosten aber selber aufkommen. Im Schnitt betragen die Verfahrenskosten 420€, aber schon allein die Übersetzungskosten für die heimischen Zeugnisse eines Antragstellers belaufen sich oftmals bis zu 1000€. Da die Antragssteller häufig im Niedriglohnsektor beschäftigt sind (aufgrund nicht anerkannter Abschlüsse), ist für sie das Anerkennungsverfahren finanziell kaum tragbar.

Außerdem handelt es sich bei den meisten anerkannten Abschlüssen um Teilanerkennungen. Daher müssten Ergänzungskurse zur Verfügung stehen, durch die fehlende Qualifikationen nachgeholt werden können. Da die Bildungsträger oft Kurse anbieten, die mehr als das Notwenige umfassen, sind sie für die Betroffenen zu
zeit- und kostenintensiv.

Die Bundesregierung und die Organisationen in unserem Land stehen alle gemeinsam in der Pflicht, diese Aufgaben anzugehen. „Als Interessensverband von Menschen mit Migrationshintergrund bieten wir hierfür unsere Hilfe an“, so Simsek.

Der ZAVD Vorstand

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