Iraks Christen bewaffnen sich um IS zu bekämpfen

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Iraks Christen bewaffnen sich um IS zu bekämpfen

In dieser Woche erschien im „The Wall Street Journal“ ein umfassender Artikel mit aktuellen Informationen über die Nineveh Plain Protection Units, jene Miliz unseres Volkes, die die Christen und andere Minderheiten im Irak beschützen wird.

Hunderte christliche Männer greifen zu den Waffen, um ihre Städte von Militanten zurückzuerobern

MANILA TRAINING CENTER , Irak – Hunderte christliche Männer greifen zum ersten Mal zur Waffe in einer alten US Militäreinrichtung in den Hügeln vom Nordostirak und trainieren, um ihre Städte von den Militanten der Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS/ISIS), die das Land letztes Jahr stürmten.

Neue Rekruten einer irakisch-christlichen Schutzeinheit erzählten, wie ihre Familien vergangenen Sommer von Regierungstruppen bei den Militanten zurückgelassen wurden. Sie wollen eine Schutzeinheit gründen, die ihre Dörfer und Städte sicher hält, auch nachdem der IS besiegt ist. „Ich will unsere Ländereien verteidigen, mit unserer eigenen Schutzeinheit“, sagte der 26 jährige Nasser Abdullah, der aushilft, jüngere Rekruten zu trainieren.

Sunnitische Nachbarn in nahegelegenen Dörfern unterstützten die sunnitischen Extremisten des IS als sie in der Ninive-Ebene, wo irakische Christen und andere Minderheiten leben, ein christliches Dorf nach dem anderen besetzten, so die Rekruten.

Als sich die IS Kämpfer nährten, ergriffen kurdische Sicherheitskräfte unter Beschuss die Flucht und ließen bedrohte Minderheiten schutzlos zurück.

„Jene, die uns verraten haben wird es nicht erlaubt sein, unter uns zu leben“, sagte Firas Metr, ein 27 jähriger Elektriker und Rekrut ohne militärische Erfahrung. „Wir müssen uns selber schützen, jetzt und auch in Zukunft.“

Etwa 30.000 Christen sind seit dem aus der Ninive-Ebene geflohen. Nur eine christliche Stadt, Alqosh, und drei kleine Dörfer sind noch frei geblieben. Gemäß den Führungsleuten der Christen, gibt es im ganzen Irak über 150.000 vertriebene Christen seit dem der IS begann durchs Land zu wüten.

Mehr als 2.000 Mann haben sich für den Kampf eingetragen, doch es ist nicht klar, ob sie es schaffen, alle zu trainieren. Die Organisatoren hoffen, dass die USA dabei Hilfe leistet.

Rekruten der NPU beim Training Der U.S. National Defense Authorization Act, welcher vergangenen Dezember bewilligt wurde, benennt lokale Sicherheitskräfte im Irak als potentielle Unterstützungsempfänger von etwa 1,6 Milliarde US$, um Kämpfer gegen den IS zu trainieren und auszustatten. Diese Gelder sollen gemäß der Verordnung „lokale Sicherheitskräfte unterstützen, die äußerst gefährdete ethnische und religiöse Gemeinschaften in der Ninive-Ebene und anderswo beschützen sollen“.

Irakische Christen, besonders chaldäische Katholiken assyrischer Volkszugehörigkeit, haben durch ihre Diasporagemeinschaft lange Beziehungen mit US Abgeordneten.

Der frühere demokratische Senator, Carl Levin, der im Dezember in Pension ging, half dabei, eine spezielle Referenz der Ninive-Ebene einzufügen, die, wie sie so hoffen, US Finanzierung erhält.

US Beamte, die damit vertraut sind, sagten, die Idee beinhalte, Gruppierungen von Minderheiten, die die Hilfe gebrauchen könnten, besonders nach der Belagerung yezidischer Familien letzten Sommer im Irak durch den IS.

Mr. Levin sagte in dieser Woche, er hoffe, das Trainingsprogramm war erfolgreich, aber er wisse nicht genug darüber, um es zu kommentieren.

Rekrut der NPU mit KreuztattooKürzlich, an einem Sonntag, stiegen etwa 300 christliche Rekruten mit ihren Reisetaschen aus einem Duzend von Bussen aus und marschierten in einem Trainingscamp außerhalb der Stadt Kirkuk. Sie sangen und tanzten in einem Klima von Studenten, die gerade in ein Sommercamp hinein gingen.

Lokale christliche Politiker haben seit einen Jahrzehnt, eine christliche regionale Schutzeinheit zu bewaffnen und zu trainieren, was jedoch von irakischen Behörden nicht zugelassen wurde.

Aufgrund der Angriffe von Al Kaida, dem IS Vorgänger im Irak, erhielten die assyrischen Christen eine Erlaubnis und Förderung von lokalen Wachleuten, aber nie die bewaffneten Milizen, die sie sich erhofften. In diesem Monat wird sich das ändern.

„Das ist ein Kampf, um zu unserem Land zurückzukehren und es zurückzuerobern“, sagte Yonadam Kanna, ein Parlamentarier von der Assyrisch Demokratischen Bewegung, der Partei, die das Training führt. „Es ist, als ob unsere Jahrtausende von Jahre alten Wurzeln aus dem Boden herausgezogen wurden“.

Als sie von der Zentralregierung abgewiesen wurden, gingen die Parteivertreter mit ihren Forderungen zur Kurdistan Regionalregierung, deren semiautonome Region nördlich von der Ninive-Ebene liegt. Die Kurden boten die Trainingsreinrichtung außerhalb von Kirkuk an, eine Basis, die einst von US Militärs betrieben wurde, um kurdische regionale Garden auszubilden.

NPU RekrutenÜber 500 Rekruten, hauptsächlich Assyrer, werden in diesem Monat ausgebildet, jedoch ist es noch unsicher, wer sie längerfristig finanzieren und ausrüsten wird. Die Christen hier sind über eigene Sicherheitskräfte geteilter Meinung. Patriarch Louis Sako, Kopf der Chaldäisch Katholischen Kirche, der viele Assyrer folgen, missbilligt so etwas.

Diese neue Miliz wird von einigen Irakern als weiteren Beweis angesehen, wie gesplittet das Land zwischen Religions- und Stammeszugehörigkeit ist, trotz den Bemühungen verschiedener Seiten, einen vereinten Kampf gegen den IS zu führen.

Premierminister Haidar al-Abadi kam letztes Jahr unter dem Druck zur Macht, die Risse zu heilen, die Sunniten und Schiiten teilen, und Araber und Kurden, deren Beziehungen sich unter seinem Vorgänger Nouri Al-Maliki noch verschlechterten. Mashaan al-Jabouri, ein sunntisches Parlamentsmitglied, sagte, eine schwache schiitisch geführte Regierung wäre nicht fähig gewesen, das Misstrauen unter diesen Gruppen zu überwinden.

Mr. Abdullah, einer der Rekrutenführer, diente in der Ninive-Ebene in der Peshmerga, den kurdischen regionalen Sicherheitskräften, als der IS im Juni die Stadt Mosul besetzte. Das Land im nördlichen Territorium, das die Peshmerga patrouillierte, einschließlich die christlichen Städte, ist umstritten zwischen der kurdischen Regionalregierung und irakischen Zentralregierungen.

Mr. Abdullah sagte, als er hörte, dass seine Peshmergakameraden flohen als die IS Kämpfer Mosul einnahmen, dachte er sich: „Ich würde auch nicht einen Ort verteidigen wollen, der nicht meiner ist“. Am nächsten Tag quittierte er seinen Dienst bei der Peshmerga.

NPU beim TrainingMonate später trug sich Mr. Abdullah bei der neuen christlichen Miliz ein, die als Probelauf für die gegenwärtigen Bemühungen dient. Über 100 Männer aus der Umgebung griffen im letzten Sommer zu den Waffen, um Dörfer zu beschützen und vom IS zu befreien.

Im Trainingscamp außerhalb Kirkuks, schloss sich Mr. Abdullah anderen Militärs an, um Rekruten auszubilden. „Sie sind aufgeregt, aber sie sind auch sicherlich nervös“, sagte der 21 jährige Steven Yousef als Reihen von Männern darauf warteten, namentlich aufgerufen zu werden. Die meisten hätten noch nie einen IS Kämpfer gesehen oder eine Waffe abgefeuert, sagte er.

Man schätzt, dass etwa die Hälfte aller Christen im Irak während des letzten Jahrzehnts aus dem Land geflohen ist. Die zweite Flüchtlingswelle wäre an Istanbul, Beirut und Amman gebunden, so Führer der christlichen Gemeinschaft.

Die Einwohner der Ninive-Ebene, Heimat solcher Minderheitengruppen wie etwa den Yeziden oder Shabak, fühlen sich seit Jahren bedroht, weil sie in Mitten des Streits leben zwischen Arabern und Kurden um die Kontrolle über die Region.

„Niemand hat die Minderheiten beschützt und niemand wird es auch in Zukunft tun“, so kaldo Oghanna, ein assyrischer Parteivertreter, der seinen Anzug gegen eine Militäruniform eintauschte, um die erste Trainingswoche zu beaufsichtigen.

Assyrische Parteivertreter, die ihre junge Miliz ein Bataillon nennen, sagen, ihre Ziel wäre es, christliche Städte vom IS wieder einzunehmen und sie danach zu überwachen bis sich die Atmosphäre wieder beruhigt hat.

Ein Peshmergasprecher in Arbil sagte, er verstünde aus Meetings mit den Vertretern der Christen, dass die Miliz evtl. unter der Peshmerga arbeiten würde.

Mr. Oghanna entgegnete, ein solches Abkommen gäbe es nicht. Andere Parteivertreter sagten, sie wären offen dafür, die ausgebildeten Einheiten in einer zukünftigen Nationalgarde aufzunehmen, hätten jedoch Zweifel an einer eventuellen Implementierung. Die Rekruten sagten, sie wollen Unabhängigkeit, um ihre Gemeinschaften zu schützen nachdem der IS zurück gedrängt wurde.

NPU beim TrainingDie christliche Miliz wurde bisher nur durch Spenden betrieben, die hauptsächlich von Assyrern im Ausland kamen und ohne finanzielle Unterstützung aus der irakischen, kurdischen oder US Regierung. Jeder Rekrut bekäme eine Waffe, so Mr. Oghanna. Doch jene Waffen, die im Trainingslager genutzt werden, sind von der kurdischen Lagerverwaltung ausgeliehen, darunter Maschinengewähre und Mörser.

Mehrere Amerikaner halfen, die jungen Männer auszubilden. Sie sagten, sie hätten im US Militär gedient und helfen beim Training freiwillig über eine Non-Profit-Organisation, die sie nicht nennen wollten. Sie wollen nichts über ihre Mission oder Hintergrund verraten, weil sie ihre Identität vor dem IS schützen wollten.

Einer der amerikanischen Trainer, 28 Jahre alt, sagte, US Offiziere in Arbil wären über die christliche Miliz informiert, aber nicht involviert gewesen. US Offiziere gaben auf einer darauf bezogenen Frage keine Antwort.

„Die Amerikaner wollen davon fern bleiben, weil sie denken, du würdest einen verrückten religiösen Krieg anfangen, solltest du Christen trainieren. Nun, der IS zwingt dich dazu“, so der Amerikaner.

Dieser Artikel erschien am 03.02.2015 auf der Website von „The Wall Street Journal“.
http://www.wsj.com/articles/iraqs-christians-take-up-arms-to-fight-islamic-state-1423017266

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